12.02.2026 - Schulfasching und Rathaussturm
Die Mini-Narren stürmen das Jagstzeller Rathaus
In Jagstzell übernahmen am Gumpendonnerstag die Jüngsten das Kommando – und Bürgermeister Patrick Peukert hatte gegen die geballte Faschingsmacht keine Chance. Mit Plakaten, lautstarken Schlachtrufen und jeder Menge guter Laune zogen Kindergarten- und Grundschulkinder vor das Rathaus und forderten nichts Geringeres als die Absetzung des Schultes.
Drinnen hatte man es sich derweil noch gemütlich gemacht. Bei Sekt und Berlinern harrten Rathaus- und Bauhofmitarbeiter der Dinge, die da kommen sollten. Doch draußen wurde es immer lauter. Spätestens als die Kinder mit selbstgemalten Schildern und kräftigem „Ja Na, die Jagstzeller Kinder sind da“-Rufen auf sich aufmerksam machten, war klar: Diese närrische Revolution ließ sich nicht aussitzen.
Zunächst versuchte der Bürgermeister noch, die Lage vom Fenster aus zu entschärfen. Mit dem Hinweis auf eine Baustelle und mögliche Gefahren wollte er Zeit gewinnen – erntete jedoch prompt ein vielstimmiges Buh-Konzert. Auch ein Bonbonregen konnte die aufgebrachten Mini-Narren nicht besänftigen. Sie wollten mehr – sie wollten den Rathauschef.
Peukert stellt sich schließlich seinem Schicksal
Schließlich stellte sich Peukert seinem Schicksal. Die Entscheidung fiel, wie es sich für eine kindgerechte Machtübernahme gehört, bei „Schnick Schnack Schnuck“. Unter dem Jubel der Menge trat der Bürgermeister gegen die Kinder an, gab alles – und verlor. Der närrische Richterspruch war eindeutig. Mit Trassierband „gefesselt“ wurde er symbolisch abgeführt, streng bewacht von kleinen Polizisten, Prinzessinnen und Bauarbeitern.
Doch die Machtübernahme blieb friedlich – und ausgesprochen fröhlich. Lautstark trugen die Kinder ihre Forderungen vor: ein Eisstand, neue Stifte, Süßigkeiten, Tischtennisschläger und mobile Fußballtore standen ganz oben auf der Wunschliste. Zuvor hatten sie mit „Bodo mit dem Bagger“ und dem „Gute-Laune-Song“ für ausgelassene Stimmung gesorgt. „Wir haben oben gute Laune, unten gute Laune, Jagstzell hat gute Laune“ – spätestens da war klar: Diese Revolution ist eine Herzensangelegenheit.
Der gefesselte Bürgermeister zeigte sich beeindruckt vom närrischen Engagement. Mit einem Lächeln versprach er, die Anliegen wohlwollend zu prüfen – was die Stimmung weiter anhob. Schließlich durfte er nach einer gemeinsamen Gesangseinlage wieder in Freiheit. Die Fesseln fielen, die Kinder jubelten, und Jagstzell feierte weiter.
Bericht von Hariolf Fink (Schwäbische Post)




















